Geschichte des Controlling

    Die Ursprünge des Controllings liegen im 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden am englischen Königshof erstmals Stellen eingerichtet, die als „Countrollour“ bezeichnet wurden. Ihre Hauptaufgabe war die Registrierung ein- und ausgehender Geld- und Güterströme. Ende des 18. Jahrhunderts schuf der amerikanische Kongress die gesetzliche Grundlage für den Einsatz eines „Comptrollers“ im Staatsdienst. Der Comptroller war für die Überwachung des Staatsbudgets und der Staatsausgaben verantwortlich. Ziemlich genau ein Jahrhundert später, nämlich 1880, richtete das Transportunternehmen Atchison, Topeka & Santa Fe Railway Systems als erste privatwirtschaftliche Institution eine Controllerstelle ein. Der Satzung dieses Unternehmens nach waren die dem „Comptroller“ zugewiesenen Aufgaben überwiegend finanzwirtschaftlicher Natur: „The duties of the comptroller are largely financial and relate to the bonds, stocks, and securities owned by the company.“ (Jackson, 1949) Ab den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte das Controlling in den USA auf breiter Basis einen starken Aufschwung. Immer mehr amerikanische Unternehmen schufen Controllerstellen, was damit begründet wird, dass es immer mehr Großunternehmen mit zunehmenden Kommunikations- und Koordinationsproblemen gab, die Produktion zunehmend fixkostenintensiver wurde, und volkswirtschaftliche Turbulenzen den Bedarf an neuen Führungsinstrumenten und deren fachmännischer Anwendung weckten. (Weber, 1993)
    Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse während der Depressionsjahre der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1931 führten dazu, dass sich der Controller neben seinen traditionellen Aufgaben, wie der Revision oder finanzwirtschaftlichen Funktionen, verstärkt auch planerischen Tätigkeiten widmete. Durch die neuen Aufgaben gewann das Controlling als Institution zunehmend an Bedeutung. 1931 wurde das Controller’s Institute of America gegründet, das später in Financial Executive Institute (FEI) umbenannt wurde. Eine wichtige Leistung des FEI war die Entwicklung eines Aufgabenkatalogs, der dem Controller Planung, Berichterstattung und Interpretation, Bewertung und Beratung, Steuerangelegenheiten, Berichterstattung an staatliche Stellen, die Sicherung des Vermögens und die Erstellung volkswirtschaftlicher Untersuchungen zuwies.
    Im deutschsprachigen Raum erlebte das Controlling erst Mitte des 20. Jahrhunderts seinen Aufschwung. Zunächst führten deutsche Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen Controllerstellen ein. Schon bald kam es jedoch aufgrund einiger schwerwiegender Umweltveränderungen zu einem schlagartigen Anstieg der Controllerstellen im Großteil der deutschen Unternehmen. Zwei wesentliche Gründe für diesen enormen Aufschwung des Controllings waren die Divisionalisierungswelle der deutschen Industrie ab 1965, die neue Koordinations- und Steuerungsinstrumente notwendig machte, und die Insolvenzwelle ab Beginn der 80er Jahre. (Bramsemann, 1987)
    Letztere zeigte, dass es auch für Klein- und Mittelbetriebe notwendig war, einen „kritischen Rechner und Bewerter“ zu haben.