Grundlagen der Reporting-Konzeption

Rahmenbedingungen des Reportings

Das Reporting im Unternehmen reflektiert eine Reihe von Rahmenbedingungen. Prinzipiell wird die allgemeine Akzeptanz von Controlling sowie ein „moderner“ Führungsstil im Sinne des Führens über Ziele vorausgesetzt. Nicht in jedem Unternehmen bzw. jeder Organisation begünstigen die Rahmenbedingungen den Aufbau eines steuerungsrelevanten Reportingsystems. Eine limitierende Rahmenbedingung kann z.B. ein hierarchischer Führungsstil in eigentümergeführten Unternehmen sein. Eine neutrale Rahmenbedingung, die das Reporting vor Herausforderungen stellt, ist z.B. eine hohe Organisationsdynamik.

Adressatenkreise

2.1.2 Adressatenkreise
Das Berichtswesen muss an der Entscheidungsunterstützung der Controlling-Kunden ausgerichtet sein. Neben den permanenten Kunden können auch temporäre Adressaten zu den Kunden gehören.

Permanente Controlling-Kunden

  • Eigentümer(vertreter)
  • Management
  • Nachgelagerte Führungsebenen (Bereichs- oder Abteilungsleiter, Leiter Stabsstellen)
  • Kostenstellen(gruppen)leiter
  • Prozessverantwortliche

Temporäre Controlling-Kunden

  • Projektleiter
  • Adressaten von Ad-hoc-Anfragen

In der optimalen Servicierung der Adressatenkreise ist auch zu berücksichtigen, über welches Medium Information am sinnvollsten transportiert wird. Prinzipiell ist einer elektronischen Kommunikationsform (z.B. Intranet) der Vorzug zu geben, Top-Adressaten werden aber in der Regel meist auch über konventionelle papierbasierte Berichte serviciert. Die Nutzung von Reporting-Tools (Business Intelligence, BI) bleibt sinnvollerweise meist dem Controlling vorbehalten.

Informationsangebot, -nachfrage und -bedarf

Oberstes Ziel im Reporting muss sein, steuerungsrelevante Informationen zu liefern. Tatsächlich wird darunter in der Praxis in der Regel die 100%ige Abdeckung der Wünsche der Controllingkunden verstanden. Die Kunden- und Serviceorientierung im Controlling ist zwar wichtig, allerdings muss sich das Controlling gemeinsam mit den Führungskräften Gedanken über die „Natur“ des Geschäftes machen. Die Führungskräfte definieren ihren Informationsbedarf häufig aus den Zwängen des Tagesgeschäftes heraus, was dazu führt, dass die verlangten Berichte und Kennzahlen meist zu operativ, zu detailliert, zu monetär und nicht miteinander verknüpfbar sind. D.h. bei der Optimierung des Informationsangebots muss die subjektive Informationsnachfrage hinterfragt und mit dem objektivem Bedarf bestmöglich zur Deckung gebracht werden. Das Management muss die Bedeutung verbesserter Berichtsinhalte verstehen und das Controlling muss für die Verfügbarkeit der Daten sorgen.

Grundsätze controllinggerechten Berichtswesens

Ein controllinggerechtes Berichtswesen orientiert sich an folgenden 8, gleichermaßen wichtigen Grundsätzen:

  • Aktionsorientierung
  • Nachprüfbarkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Konsistenz
  • Objektivität
  • Benutzerfreundlichkeit
  • Termintreue
  • Wirtschaftlichkeit

Aktionsorientierung bedeutet:

  • Ein Bericht ist kein Gutachten.
  • Das Berichtswesen muss die strategischen und operativen Erfolgsfaktoren des Unternehmens abbilden, um eine Entscheidungshilfe für das Management darzustellen.

Rein monetäre Ex-post-Information reicht nicht aus.

Nachprüfbarkeit bedeutet:

  • Berichte müssen möglichst selbsterklärend verfasst werden.
  • Vermeiden Sie Fachchinesisch nach dem Motto "If you can´t convince them, confuse them!"
  • Dokumentieren Sie Rechenwerke und Kennzahlen in einem Controllinghandbuch.

Zuverlässigkeit bedeutet:

  • Berichtsinhalte müssen abgesichert sein, denn Vertrauen wird über lange Zeit aufgebaut aber schnell wieder verloren.
  • Berichte dürfen nach Abgabe nicht mehr geändert werden.
  • Zeitnähe ist wichtig, aber bei einem "Quick and dirty"-Zugang müssen Vereinfachungen oder fehlende Positionen dokumentiert sein.

Konsistenz bedeutet:

  • Die betriebswirtschaftliche Logik (z.B. Kennzahlendefinitionen, interne Verrechnungen) soll weitgehend stabil sein, um die Ergebnisse interpretieren zu können.
  • Heterogene Datenquellen stellen eine latente Gefahr dar, Prüfsummen zur Vollständigkeitsprüfung und Logik-Checks sind v.a. in jenen Unternehmen, in denen Berichtswesen noch immer häufig Excel-Domäne ist, unabdingbar.
  • Ihr Berichtswesen ist nicht konsistent, wenn Fragen nach Umsatz oder Personalstand eine Reihe unterschiedlicher Antworten hervorrufen.

Objektivität bedeutet:

  • Informationen dürfen nicht gefärbt oder in ihrer Darstellung verschleiert oder beschönigt werden.
  • Kommentare müssen vom Controlling gemeinsam mit den jeweiligen Linienverantwortlichen ergänzt werden. Das Controlling muss im Falle von Interessenkonflikten eine Moderationsfunktion übernehmen.
  • Eine fehlertolerante Unternehmenskultur fördert Objektivität, da Abweichungen eher eingestanden und hinterfragt werden.

Benutzerfreundlichkeit bedeutet:

  • Berichte werden nach allgemeingültigen Gestaltungsnormen oder nach individuellen Vorgaben der Empfänger aufbereitet.
  • Berichtsinhalte, die Kernaussagen und die Logik können vom Empfänger rasch erfasst werden.
  • Ungeeignete Form oder Gliederung führt dazu, dass Berichte nicht gelesen werden. Ein Mehr an Seiten Berichtsinformation muss nicht zu einem Mehr an interner Kundenzufriedenheit führen.

Termintreue bedeutet:

  • Vereinbarte Berichtstermine werden eingehalten. Für alle Standardberichte sollten Stichtage für die Vorlage vereinbart werden.
  • Termintreue macht nur Sinn, wenn die Termine zeitnah definiert werden. Eine zeitnahe Terminsetzung darf aber die Datenanalyse und -interpretation nicht verunmöglichen.
  • Das Management braucht zeitnahe Information, da die Abweichungsanalyse, die Definition und Umsetzung der Maßnahmen selbst Zeit benötigen, bevor eine Ergebniswirksamkeit gegeben ist.

Wirtschaftlichkeit bedeutet:

  • Umfang, Detaillierungsgrad und Schnelligkeit der Berichterstellung müssen gegen den Einsatz personeller und systemtechnischer Ressourcen abgewogen werden.
  • Berichtsinhalte, Zweck, Frequenz sind zu hinterfragen: Was wird wie oft berichtet? Wer berichtet womit? Was wird wozu an wen berichtet?
  • Das Berichtswesen stiftet nicht dann mehr Nutzen, wenn Berichtsumfang und -detaillierung ausgeweitet werden, sondern wenn es klar auf die Erfolgsfaktoren ausgerichtet ist und das Controlling mehr Zeit für die aktive Beratung der Führungskräfte hat.

Standard-Reporting / Ad-hoc-Reporting / Exception-Reporting

Im Berichtswesen empfiehlt es sich, klar zwischen 3 Typen des Reportings zu unterscheiden:

Standard-Reporting: repetitive, gleichförmige Informationsversorgung der Adressatenkreise; im Regelfall gemeint, wenn von „Reporting“ die Rede ist

Ad-hoc-Reporting: einzelfall- und anlassbezogenes Reporting

Exception-Reporting: auf Basis definierter Regeln (meist Abweichungen über einem definierten Schwellwert) ausgelöstes Reporting

80-90% des Informationsbedarfs des Managements müssen durch das Standardberichtswesen abgedeckt sein. Situativ notwendige Steuerungsinformationen werden auf Anfrage (ad hoc) oder regelbasiert (exception) bereitgestellt.

In der Praxis ist häufig festzustellen, dass das Standardreporting auf Basis der unrealistischen Zielsetzung, 100% des Informationsbedarfs abzudecken zu umfangreich ist bzw. dass Ad-hoc-Reports in das Standardreporting aufgenommen werden und dieses aufblähen. Ein automatisiertes Exception-Reporting existiert in der Praxis nicht, d.h. auf Basis definierter Exceptions notwendige Reports sind de facto Ad-hoc-Reports.

Berichtsbreite und -tiefe

In der Reportingkonzeption können 2 Extrempositionen einander gegenübergestellt werden:

  • Berichte als „Nachschlagewerke“, d.h. umfassende Berichterstattung mit allen Details
  • Berichte als Eckdatenblätter, d.h. zusammenfassende Berichterstattung über alle Vorgänge im Unternehmen

Als dritter, praktisch irrelevanter Ansatz könnte man Exception Reporting sehen, d.h. Berichterstattung nur über außerordentliche Ereignisse (z.B. Berichterstattung über hohe Abweichungen).

Berichte als „Nachschlagewerke“ - Vorteile:

  • derselbe Bericht kann für erste und zweite Führungsebene erstellt werden
  • Rückfragen "sollten" durch die umfassende Berichterstattung reduziert werden
  • alle Führungskräfte sind über alle Unternehmensbereiche informiert

Berichte als „Nachschlagewerke“ - Nachteile

  • bei nicht übersichtlicher Gestaltung der Berichtshefte geht der Überblick für die Führungskraft leicht verloren
  • alle Führungskräfte bekommen alle Informationen (Überfluss)
  • sehr aufwendige Berichtserstellungsphase bei geringem Informationsnutzungsgrad

Berichte in Form von Eckdatenblättern - Vorteile

  • Information sehr komprimiert und auf das Wesentlichste beschränkt
  • Berichterstellung für das Controlling nicht so aufwendig
  • Information für den Berichtsadressaten schnell zu verarbeiten

Berichte in Form von Eckdatenblättern - Nachteile

  • für die operative Steuerung zu wenig Information (parallele Detailberichte je Ressort erforderlich)
  • Führungskräfte haben keine Überblick über alle Unternehmensbereiche
  • zusätzliche Berichte für die zweite Führungsebene

Als sinnvoller Mittelweg zwischen den beiden Extrempositionen bietet sich daher an, über ein Executive Summary aggregierte Überblicksinformation zu liefern. Ein organisatorischer Drill-Down muss auch in einem Executive Summary möglich sein. Zusätzliche Berichte dienen ermöglichen eine themenbezogene Vertiefung der Berichtsinhalte.

Die Inhalte des Executive Summary sollten ausgewogen sein. In der Praxis ist häufig eine Dominanz GuV-orientierter Betrachtungen festzustellen. Ausgewogenheit bedeutet zum Einen die Abbildung aller finanzieller Zieldimensionen, d.s.:

  • Wachstum
  • (Vermögens-/Kapital-)Rentabilität
  • Finanzierung / Liquidität
  • Sicherheit / Bonität
  • Wertschaffung,

zum Anderen sollten Informationen wesentlicher anderer Zieldimensionen Berücksichtigung finden, z.B.:

  • Markterfolg
  • Ressourcen
  • Investitionen,…

Für die Entscheidung, wie viele Kennzahlen in ein Executive Summary aufgenommen werden sollen, kann die BSC-Daumenregel „twenty is plenty“ hilfreich sein. Da sich in der Praxis meist ein Fokus auf finanzielle Zieldimensionen zeigt, enthält ein gut strukturiertes Executive Summary ca. 10-12 Kennzahlen.

Reportingfrequenzen und Berichtsinhalte

Der Begriff “Standardreporting” wird meist mit einem Monatsreporting gleichgesetzt. Der Monat ist die wichtigste, allerdings in einem optimierten Reporting nicht die einzige Reportingfrequenz. Für einzelne Themen, z.B. die Absatz-, Umsatz- oder Auslastungsentwicklung ist untermonatliche Information notwendig, um zeitnah agieren zu können. Ob dies tages- oder wochenbezogenes Reporting bedeutet, ist im Einzelfall zu entscheiden. Für andere Themen ist ein quartalsweises Reporting ausreichend (z.B. Bilanzinformation oder diverse nicht-finanzielle Kennzahlen).

Optische Gestaltung von tabellarischen Berichten und Grafiken

Idealerweise können Berichte mehrfach verwendet werden:

  • Online-Analyse am Bildschirm
  • Ausdruck auf Papier, Verwendung als Meetingunterlage
  • Beamertauglichkeit, Nutzung für Durchsprachen in Entscheidungsgremien

Meist können nicht alle Einsatzzwecke gleich gut erfüllt werden. Daraus ergibt sich in der Praxis häufig folgende Priorisierung: Druck -> Bildschirm -> Beamer

In der optischen Umsetzung von Berichten und Grafiken haben sich folgende Punkte bewährt:

  • keine Dekoration – reduce to the max
  • Farben sparsam einsetzen
  • Sinn eines Farbkonzepts (z.B. zur Kennzeichnung von Themen, Bereichen o.ä.) überprüfen
  • Rot und Grün nur für negativ / positiv (nicht für Ost / West o.ä.) verwenden
  • inverse Gestaltung (Text/Zahlen weiß, Hintergrund farbig) nur für "Image-präsentationen"

Speziell bei der Gestaltung von tabellarischen Berichten ist Folgendes zu beachten:

  • globaler Korridor für Abweichungen (generell +/- x%) vs. kennzahlenspezifischer Korridor (z.B. Umsatz +/- 2%, sonstige Erlöse +/- 20%)
  • Indifferenzbereich bei Abweichungen nicht hervorheben (Gelb ist verboten!)
  • Vorzeichendarstellung lt. Vorsystem (Erlöse meist negativ, Kosten meist positiv) ja / nein
  • Vorzeichenregeln: Ist > Plan -> „+“ (Ampel aber rot bei Kosten, grün bei Erlösen)

Speziell bei der Gestaltung von Grafiken ist Folgendes zu beachten:

  • richtigen Grafiktyp auswählen
  • keine 3D-Grafiken
  • keine Farbverläufe
  • keine grellen Farben
  • Schwarz-Weiss-Druckfähigkeit überprüfen

Gestaltungsthemen bei Tabellen >>

Beispiel schlecht gestalteter tabellarischer Bericht >>

Beispiel tabellarischer Bericht – Optimierungsvorschlag >>

In der grafischen Unterstützung ist auf die Auswahl des geeigneten Grafiktyps zu achten. Nicht jeder Grafiktyp ist für jede Aussage geeignet. Ein Kreisdiagramm kann zum Beispiel eine Umsatzverteilung nach Regionen illustrieren, einen Plan-Ist-Vergleich nach Regionen wird man aber besser über gestapelte Säulen abbilden.

Beispiel schlechte grafische Information >>

Beispiel: grafische Information - Optimierungsvorschlag >>

Kommentierung

Kommentare spielen noch immer eine untergeordnete Rolle im Reporting. Folgende inhaltliche Empfehlungen sollten in der Erstellung von Kommentaren berücksichtigt werden:

  • auf Wesentliches konzentrieren (z.B. fix definierte Kennzahlen oder Abweichungen <> x%)
  • Redundanzen zur Berichtstabelle vermeiden („Die Umsatzabweichung beträgt -5%“) aber inhaltlichen Bezug zur Berichtstabelle erhalten
  • Ursachen erläutern („Der massive Preisverfall von durchschnittlich 10% führt trotz 700 to Mehrabsatz zu einem Umsatzrückgang…“)
  • Maßnahmen (soweit vorhanden) skizzieren („Die Forcierung von Erlöspauschalen bei neu abgeschlossenen Verträgen…“)

Folgende formale Aspekte sollten berücksichtigt werden:

  • Knapp (Summe Text in Executive Summary max. 2 Seiten)
  • Sachlich-objektive Formulierungen
  • Ideal: auf selber Seite über oder unter Tabelle

Die Erstellung von Kommentaren ist Aufgabe des Managements, es berichtet die untergeordnete Ebene an die jeweils vorgesetzte. Das Controlling hat dabei eine qualitätssichernde Aufgabe.

Reportingprozess

Der Reportingprozess wird häufig als zu langsam und fehleranfällig problematisiert. Die typischen Problemsymptome im Berichtswesen, z.B. eingeschränkte Datenqualität, können aber in der Praxis ganz unterschiedliche Ursachen haben. Die Datenqualität im Reporting kann sowohl unter bereits schlechter Datenqualität im Vorsystem als auch unter Problemen im Reportingprozess selbst, z.B. durch manuelle Schnittstellen leiden. Der Optimierungsansatz muss daher je Problemursache differenziert ausfallen.